Einsatz Herbstlabyrinth am 1.11.2009, ergänzter Bericht

Autor: Nils Bräunig    24. Juni/22. Oktober 2010    © HRVD 2010

Erster Bericht vom 3.11.2009

Kostenaufstellung aus dem Referentenbericht zur VdHK-Hauptversammlung

Bei Forschungsarbeiten haben hessische Höhlenforscher in einem senkrecht nach oben führenden Höhlenteil einen großen Block teilweise abgetragen. Danach versuchte der spätere Patient an diesem Block vorbei nach oben in das Neuland zu gelangen. Dabei löste sich ein weiterer, zementsackgroßer Stein, der ihn im Bereich der Hüfte gegen einen weiteren Block klemmte.

Die Unfallstelle lag etwa eine dreiviertel Wegstunde vom Eingang des neuen Schauhöhlenteils des Herbstlabyrinths entfernt und war ab der Schauhöhle nur noch über einen etwa halbstündigen Weg von Kletterstellen und Schlufen zu erreichen.

Unfallzeitpunkt: ca. 15:30 Uhr

Versuche der Kameraden, den Patienten aus der misslichen Lage zu befreien, blieben erfolglos. Sie alarmierten daraufhin um 17:15 Uhr die Höhlenrettung Hessen/Rheinland-Pfalz (HRH) sowie weitere hessische Höhlenforscher.

Um 17:18 erfolgte seitens der HRH die Voralarmierung der hessischen Höhlenrettungsgruppen Westerwald/Taunus (8 Helfer), Rheingau/Taunus (3 Helfer), Rhein/Main (5 Helfer) sowie von Stefan Zaenker, Landesverband für Höhlen- und Karstforschung Hessen, und Nils Bräunig, Bundesreferent für Höhlenrettung des Verbands der deutscher Höhlen- und Karstforscher. Die Kameradenrettung der ArGeKH e.V. befand sich seit ca. 17:20 Uhr im Voralarm.

Nachdem gegen 17:25 Uhr weitere Informationen vorlagen, erfolgte die Alarmierung der HRH. Stefan Zaenker übernahm in Fulda die hessische Einsatzzentrale, Stefan Grün, Rettungsreferent des Landesverbands für Höhlen- u. Karstforschung Hessen, begab sich als Einsatzleiter der HRH vor Ort.

Nils Bräunig, der den Einsatz der deutschen Höhlenrettungen koordinierte, übernahm die Voralarmierung der Höhlenrettungen aus Thüringen (HRT) und Nordbayern (HRN), da diese Gruppen nach den Hessen den kürzesten Anfahrtsweg haben.

Von Seiten der Höhlenforscher vor Ort wurde ein Lagebericht auf gegen 18 Uhr zugesagt. Ein Rettungsassistent der HRH sei bereits auf dem Weg zum Patienten.

Die Lagemeldung kurz nach 18 Uhr ergab im Groben das oben geschilderte Bild. Darauf erfolgte die zusätzliche Alarmierung von HRT und HRN durch die einsatzleitende Feuerwehr auf Anweisung des Rettungsreferenten. Die Malteser Höhlenrettung und die Höhlenrettung Baden-Württemberg e.V. wurden daraufhin ebenfalls in Bereitschaft versetzt, später noch die Höhlenrettungen in Südbayern und zusätzlich eine Einheit in Salzburg (Österreich) informiert.

Gegen 18:45 Uhr trafen Stephan Grün sowie weitere HRH-Mitglieder vor Ort ein. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich bereits ein DRK-Notarzt auf den beschwerlichen Weg zum Patienten gemacht. Ersten Meldungen zu Folge war die Situation des Patienten nicht lebensbedrohlich.

Daraufhin wurde parallel von der HRH beim Patienten die Unfallstelle gegen weitere Felsrutsche gesichert und die teilweise fest installierte Sprechverbindung (Heulruftelefone) der Schauhöhle bis zum Patienten verlängert.

Zwischenzeitlich traf der HRH-Notarzt Dr. Michael Petermeyer (Facharzt für Anästhesie und Neurochirurgie, spez. Schmerztherapie und Notfallmedizin) aus Wiesbaden ein. Er begab sich sofort zum Patienten.

Während die Retter der HRH bei dem Patienten den Block, unter dem der Patient lag, abstützte und für den Wärmerhalt des Patienten sorgte, übernahm die Feuerwehr zur Entlastung der Höhlenretter den Transport angeforderten Materials bis in die Schauhöhle und übergab es dort den Versorgungsgruppen, die das Material dann weiter zum Patienten brachten. Versuche, den Block mit Feuerwehr-Geräten (Spreizer etc.) anzuheben, blieben erfolglos.

Ein Retter der ArGeKH e.V. traf gegen 20 Uhr ein und brachte zusammen mit Kräften aus Hessen weiteres schweres Gerät in die Höhle.

Beim Eintreffen der HRN gegen 22 Uhr (zusammen mit dem Rettungsreferenten) und kurz darauf der HRT stellte sich die Situation beim Patienten als unverändert heraus. Es gelang in den folgenden Stunden den unter ihm befindlichen Block in zwei Teile zu zerlegen und einen der Teile zu entfernen. Dadurch ergab sich zusätzlicher Bewegungsraum, der dem Patienten ausreichte aus eigener Kraft über den Versturz nach oben zu klettern. Unter Einsatz eines Kettenzuges konnte der Versturzbereich soweit freigelegt werden, dass der gefahrlose Abstieg des Patienten erfolgen konnte.

Vor Ort befanden sich die beiden Notärzte, die den Patienten – soweit bei einer Zugänglichkeit nur im Bereich der Füße möglich – betreuten. Mehrere Höhlenkameraden des Verunfallten, Retter der Höhlenrettungen Hessen, Nordbayern und Harz (ArGeKH-Kameradenrettung) und der Rettungsreferent als technischer Leiter führten die technische Rettung durch. Neben Wärmeversorgung und Nahrung wurden keine weiteren medizinischen Maßnahmen ergriffen, da sich der Patient allzeit in einer für die Verhältnisse sehr guten Verfassung befand.

Nach der Befreiung konnte der Patient in Begleitung der Ärzte und weiterer Helfer die Höhle aus eigener Kraft verlassen.

Im Einsatz vor Ort waren insgesamt etwas über 100 Einsatzkräfte, davon ca. 13 hessische Höhlenretter, 16 Höhlenretter aus Reihen des HRVD und einige freiwillige Höhlenforscher. Die Feuerwehr stellte die Einsatzleitstelle, Zelte und einige Bergewerkzeuge. Die Malteser versorgten die Helfer mit ihrem Verpflegungszug. Kräfte der Polizei sicherten die gesamte Einsatzstelle und betreuten die Presse. Der Bürgermeister von Breitscheid hatte die Gesamtleitung des Einsatzes.

Die Zusammenarbeit aller eingesetzten Kräfte verlief vorbildlich und in bestem Einvernehmen. Die Leitung der eingesetzten Höhlenrettungskräfte erfolgte durch den Leiter der Höhlenrettung Nordbayern.

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