Bericht zur VdHK-Hauptversammlung in Ennepetal Mai 2010 für den Zeitraum 2009/2010

Autor: Nils Bräunig    16. Mai 2010    © HRVD 2010

Referentenaufgaben

Im Berichtszeitraum nahm ich an allen HRVD Veranstaltungen teil und koordinierte die Arbeit der deutschen Höhlenrettungsgruppen innerhalb des HRVD.

Mehrere Anfragen von außerhalb zur Arbeit des HRVD und allgemeinen Höhlenrettungsthemen wurden beantwortet.

Im Folgenden berichte ich über die mir bekannten Aktivitäten in Deutschland im Bereich der Höhlenrettung (HR):

Überregionale Aktivitäten

Einsatz Herbstlabyrinth am 1.11.2009

Um 15:30 Uhr wurde ein Höhlenforscher bei einem Neulandvorstoß von einem nachrutschenden Felsbrocken in einem Schlot im Bereich der Hüfte eingeklemmt. Er konnte sich weder alleine noch mit Hilfe seiner Kameraden befreien.

Daher alarmierten diese gegen 17:15 Uhr hessische Höhlenforscher und durch diese auch den HRVD. Hessische und sauerländer Höfos versuchten weiter den Verunglückten zu befreien und versorgten ihn mit Wärme und Nahrungsmitteln.

Um 18:45 Uhr wurden Höhlenrettungen aus Nordbayern und Thüringen durch die inzwischen eingetroffene Feuerwehr-Einsatzleitung offiziell angefordert. Sie trafen gegen 22:20 Uhr vor Ort ein.

Um 23:30 Uhr waren Kräfte der HR beim Patienten und änderten in Zusammenarbeit mit den vor Ort befindlichen Höhlenforschern die Taktik: Es wurde nicht mehr versucht den Klemmblock zu entfernen, sondern es wurde unterhalb und neben dem Patient Blockwerk beräumt.

So konnte der Patient gegen 00:45 Uhr befreit werden und sich nach oben aus dem Versturz bewegen. Weitere 1,5 Stunden später war der Versturz soweit stabilisiert und der Verunglückte durch die Notärzte untersucht, so dass er sich aus eigenen Kräften durch den Verbruch und aus der Höhle begeben konnte. Um 3:20 Uhr war er vor der Höhle und wurde vorsorglich ins Krankenhaus gebracht.

Der Verunfallte erlitt nur leichte Schürfwunden und Prellungen und konnte nach kurzer Zeit das Krankenhaus wieder verlassen.

Es waren insgesamt etwas über 100 Einsatzkräfte im Einsatz, darunter 15 Höhlenforscher aus Hessen und dem Sauerland, sowie 15 Höhlenretter aus Nordbayern und Thüringen.

Die Rettung dauerte über 16 Stunden, wobei der Patient nach 10,5 Stunden die Höhle verlassen hatte. Er war insgesamt fast 11 Stunden eingeklemmt.

In Bereitschaft waren die Höhlenrettungen Südbayern, Baden-Württemberg, Malteser HR und die Kollegen aus dem Harz.

Die Kosten der Feuerwehr, der Gemeinde und weiterer Kräfte belaufen sich auf ca. 12.000,- €, wovon 8.500,- € dem Verunfallten in Rechnung gestellt wurden. Er hat die Kosten bei seiner Versicherung eingereicht – ein Bescheid steht noch aus.

Die Kosten der Höhlenrettungen belaufen sich auf insgesamt 1.145,- €, die komplett von der Krankenkasse beglichen wurden.

Als Lehre aus dem Einsatz lassen sich ziehen:

Nationale Rettungsübung Thüringen (Schwarze Crux)

Am Wochenende 25.-27. September 2009 veranstaltete die HR Thüringen die dritte nationale Rettungsübung.

Die 3. Nationale Höhlenrettungsübung wurde Dank der guten Vorbereitung, der Unterstützung seitens des DRK-Landesverbandes, der örtlichen Bergwachtbereitschaften und aller anderen an der Vorbereitung und Durchführung der Übung Beteiligten ein toller Erfolg. "Eine Gruppe Jugendlicher ist illegal in das alte stillgelegte Bergwerk "Schwarze Crux" bei Schmiedefeld im Thüringer Wald eingedrungen und wird seither vermisst", so lautet die Alarmierungsnachricht der Rettungsleitstelle des Ilm-Kreises an die Höhlenrettungsgruppe der DRK-Bergwacht Thüringen am Abend des 25. September. Den Thüringer Höhlenrettern wird schnell klar, dass ihre Kräfte und Mittel nicht ausreichen, die schwierige Rettungsaktion und die Vermisstensuche zu bewältigen. So entschließen sie sich, die Höhlenrettungsgruppen bundesweit alarmieren zu lassen und weitere Kräfte des Katastrophenschutzes anzufordern.

Mit diesem Szenario beginnt am 25. September 2009 die 3. Nationale Höhlenrettungsübung des Höhlenrettungsverbundes Deutschland (HRVD), einer Übung, die in der Schwierigkeit Maßstäbe setzt und die dennoch von den 50 Höhlenrettern hervorragend gemeistert wurde. Von allen an der Übung beteiligten Rettungsorganisationen wurde die sehr gute Organisation sowie die perfekte Pressearbeit gelobt. Der MDR war mit einem Kamerateam vor Ort und begleitete die Übung, die Lokalpresse berichtete ausführlich über die Großübung.

Teilnehmer kamen aus Nord- und Südbayern, Sachsen und von der Malteser HR.

HRVD

Bei der HRVD Sitzung im November 2009 in Veilbronn wurden nach einem ausführlichen Jahresrückblick folgende wichtige Punkte besprochen:

Aus den Gruppen

ArGe Karstkunde Harz

Am 11. September 2009 fand im Vereinsheim der Rübeländer Höhlenforscher ein Wochenendseminar "Höhlenrettung" statt. Themen waren die Zusammenarbeit mit BOS (Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben wie Feuerwehr und Hilfsdienste), Absturzsicherung, Hängetrauma und Knotenkunde. Das Rettungsmaterial der ArgeKH wurde vorgestellt und ein neues Depot in Rübeland in Betrieb genommen.

Ein weiterer Termin im Dezember hatte den Unfall im Herbstlabyrinth zum Thema. Es wurden daraus Lehren gezogen und zusätzliches Material beschafft.

Die Planungen für eine Großübung in der Baumannshöhle im Herbst 2010 laufen.

Es wurde etliches Rettungsmaterial im Wert von ca. 2.000,- € beschafft.

Höhlenrettung Hessen-Rheinland-Pfalz

Im vergangenen Jahr wurden zwei Einseiltechnikschulungen für Höhlenforscher, monatliche Übungen zu verschiedenen HR-Themen und zwei Ortskundebefahrungen (Nebelhöhle, Schwinde C) durchgeführt.

Der Einsatz im Herbstlabyrinth unter Beteiligung von insgesamt 13 Höhlenrettern aus Hessen war sicherlich das einschneidenste Ereignis in der Geschichte der Höhlenrettung in Hessen. Die Notwendigkeit einer funktionierenden Gruppe in Hessen wurde dadurch unter Beweis gestellt und es sind nun 35 Personen in der HR tätig.

Die HR Hessen-Rheinland-Pfalz wurde in den HRVD aufgenommen.

In diesem Frühjahr fand ein gut besuchtes und konstruktives Schulungswochenende statt.

Höhlenrettung Sachsen

Der Gruppe standen im Berichtszeitraum gravierende Veränderungen ins Haus:

Die Strukturen innerhalb der Bergwacht bzgl. HR ändern sich, die bisherige Leitung der HR zog sich zurück und es stehen nunmehr noch 4 Aktive zur Verfügung.

Die Gruppe hat sich nicht einsatzklar gemeldet und befindet sich unter neuer Leitung im Aufbau. Im Herbst ist eine Prüfung geplant.

Höhlenrettung Thüringen

Die Anzahl der ausgebildeten Einsatzkräfte ist stabil bei 9 Mann, soll aber in nächster Zeit ausgebaut werden. Neben den 3-4x jährlich stattfindenden Spezialausbildungen "Höhlenrettung" gab es im Jahr 2009 für die Höhenrettungsgruppe zwei besondere Höhepunkte:

Dies war zum einen die Vorbereitung und Durchführung der 3. Nationalen Höhlenrettungsübung vom 25.-27.09.2010 im Bergwerk "Schwarze Crux" in Schmiedefeld sowie die erste überörtliche Alarmierung der Höhlenrettung Thüringen zu einem Rettungseinsatz am 01.-02.11.2009 in das Herbstlabyrinth nach Breitscheid / Hessen.

Höhlenrettung in Bayern

Die Bergwacht ist seit der Novellierung des Rettungsdienstgesetzes für Berg- und Höhlenrettung zuständig. Dazu wurden inzwischen 5 HR Wachen in Südbayern und 3 im Norden eingerichtet. Die Ausrüstung der Standorte wird zu großen Teilen aus Landesmitteln finanziert.

Eine standardisierte Ausbildung zum Höhlenretter wurde installiert und diese schließt mit der Prüfung zum Höhlenretter nach HRVD ab.

Eine Neuregelung erlaubt nun auch die Einbindung von Spezialisten (Höhlenforschern) auch ohne Bergwachtausbildung.

Südbayern

Nordbayern

Drei Rettungseinsätze mussten 2009 abgewickelt werden:

Das Ausbildungsprogramm beinhaltete regelmäßige Ausbildungen, wobei die beiden Ausbildungswochenenden hervorzuheben sind:

Im Esperschacht wurde intensiv die medizinische und technische Rettung geübt. An einem weiteren Wochenende galt es dann die Rettung über Traversenstrecken und weitere Fallbeispiele zu lösen.

Neben Bamberg und Lauf wird zur Zeit die dritte Höhlenrettungswache in Bayreuth aufgebaut.

Höhlenrettung Baden-Württemberg

Die HR untersuchte für die Stadt Reutlingen einen alten Stollen auf Munitionsreste hin. Es wurden keine gefunden.

Im Büchelbronner Bröller wurde ein Taucher von seinem Tauchpartner vermisst gemeldet, nach dem dieser nicht wieder auftauchte. Kurz nach der Alarmierung kam er jedoch wieder ans Tageslicht. Durch die starke Eintrübung hatte er länger gebraucht.

Am 14.9.09 dursuchten Kräfte von Bergwacht, Höhlenrettung, Polizei und Rettungshundestaffeln das Gelände an, um und in Elsachbröller und Falkensteiner Höhle. Der Vermisste hatte seinen Suizid angekündigt und sein Fahrzeug wurde auf dem Parkplatz an den Höhlen gefunden. Nach längerer Suche wurde er in einer Nischenhöhle schwer verletzt gefunden und von den Kräften gerettet.

Die Gruppe war für den Einsatz im Herbstlabyrinth in Bereitschaft.

Zu den o.g. Einsätzen kamen zahlreiche Ausbildungsveranstaltungen im üblichen Rahmen, so wie Kontakte zu Rettungsgruppen im In- und Ausland. Des Weiteren konnte eine neue Engstellenrettungstrage der Firma REACT in Dienst gestellt werden.

Malteser Höhlenrettung (Baden-Württemberg)

Regelmäßige Ausbildungen und das mehrtägige Rettungsseminar dienten wieder der Aus- und Weiterbildung der Gruppenmitglieder. Zwei große Rettungsübungen rundeten das Ausbildungsprogramm ab. Es konnte ein Mitgliederzuwachs verzeichnet werden.

Für die Einsätze "Elsachhöhle" und "Herbstlabyrinth" stand die Gruppe jeweils in Bereitschaft.

Ein wichtiger Bestandteil der Gruppenarbeit ist auch weiterhin die Mitarbeit an den Technischen Seminaren, die inzwischen in der Fränkischen Schweiz stattfinden.

Die Materialien für die Öffentlichkeitsarbeit werden überarbeitet.

Zum Sommer hin wird nun ein langjähriges Projekt Wirklichkeit, das insbesondere in letzter Zeit viel Kraft gekostet hat: Das neue Einsatzfahrzeug. Erstmals in Deutschland wird es ein speziell auf die Anforderungen der Höhlenrettung zugeschnittenes Einsatzfahrzeug geben.

↑ Zum Seitenanfang ↑