In der Nacht vom Sonntag auf Montag (1./2.11.2009) gab es einen Einsatz der bundesdeutschen Höhlenrettung in einer hessischen Höhle, dem Herbstlabyrinth bei Breitscheid im Westerwald.
Bei Forschungsarbeiten haben hessische Höhlenforscher in einem senkrecht nach oben führenden Höhlenteil einen großen Block teilweise abgetragen. Danach versuchte der spätere Patient an diesem Block vorbei nach oben in das Neuland zu gelangen. Dabei löste sich ein weiterer, ca. zementsackgroßer Stein, der Ihn im Bereich der Hüfte gegen einen weiteren Block klemmte.
Unfallzeitpunkt: ca. 15:30 Uhr
Versuche der Kameraden ihn aus der misslichen Lage zu befreien blieben erfolglos.
Daraufhin wurden kurz nach 17 Uhr weitere hessische Höhlenforscher alarmiert. Der Bundesreferent für Höhlenrettung (des Verbands der deutscher Höhlen- und Karstforscher) wurde gegen 17:20 Uhr von der Lage in Kenntnis gesetzt. Er koordinierte den Einsatz der deutschen Höhlenrettungen. Daraufhin wurden die Höhlenrettungen aus Thüringen (HRT) und Nordbayern (HRN) voralarmiert, da diese Gruppen den kürzesten Anfahrtsweg haben. Von Seiten der Höhlenforscher vor Ort wurde ein Lagebericht auf gegen 18 Uhr zugesagt. Ein höhlenforschender Rettungsassistent sei auf dem Weg.
Die Lagemeldeung kurz nach 18 Uhr ergab im Groben das oben geschilderte Bild. Darauf erfolgte die Alarmierung von HRT und HRN durch die einsatzleitende Feuerwehr auf Anweisung des Rettungsreferenten. Die Malteser Höhlenrettung und die Höhlenrettung Baden-Württemberg e.V. wurden daraufhin ebenfalls in Bereitschaft versetzt, später noch die Höhlenrettungen in Südbayern und zusätzlich eine Einheit in Salzburg (Österreich) informiert.
Beim Eintreffen der HRN (zusammen mit dem Rettungsreferenten) und HRT stellte sich die Situation als unverändert heraus. Es gelang in den folgenden Stunden den unter ihm befindlichen Block in zwei Teile zu zerlegen und einen der Teile zu entfernen. Dadurch ergab sich zusätzlicher Bewegungsraum, der dem Patienten ausreichte sich aus eigener Kraft über den Versturz nach oben zu klettern. Unter Einsatz eines Kettenzuges konnte der Versturzbereich soweit freigelegt werden, dass der gefahrlose Abstieg des Patienten erfolgen konnte.
Vor Ort befanden sich zwei Notärzte, die den Patienten - soweit bei einer Zugänglichkeit nur im Bereich der Füße möglich - betreuten. Mehrere Höhlenkameraden des Verunfallten, Retter der Höhlenrettung Nordbayern und der Rettungsreferent als technischer Leiter führten die technische Rettung durch. Neben Wärmeversorgung und Nahrung wurden keine weiteren medizinischen Maßnahmen ergriffen, da sich der Patient allzeit in einer für die Verhältnisse sehr guten Verfassung befand.
Nach der Befreiung konnte der Patient in Begleitung der Ärzte und weiterer Helfer die Höhle aus eigener Kraft verlassen. Im Einsatz vor Ort waren insgesamt etwas über 100 Einsatzkräfte, davon ca. 15 hessische Höhlenforscher und 15 Höhlenretter des HRVD. Die Feuerwehr stellte die Einsatzleitstelle, Zelte und Bergewerkzeug. Die Malteser versorgten die Helfer mit ihrem Verpflegungszug. Kräfte der Polizei sicherten die gesamte Einsatzstelle und betreuten die Presse. Der Bürgermeister von Breitscheid hatte die Gesamtleitung des Einsatzes.
Die Zusammenarbeit aller eingesetzten Kräfte verlief vorbildlich und in bestem Einvernehmen. Die Leitung der eingesetzten Höhlenrettungskräfte erfolgte durch den Leiter der Höhlenrettung Nordbayern.

